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Günter Nooke

Persönlicher Afrikabeauftragter der Bundeskanzlerin                                       Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

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Donnerstag, 23 Feb 2012

Das Denkmal wird gebaut!

 

 

„Wir sind das Volk! – Wir sind ein Volk!"

Gemeinsam mit Florian Mausbach habe ich seine Idee eines Freiheits- und Einheitsdenkmals auf der Berliner Schlossfreiheit im Mai 1998 auf den Weg gebracht. Nach über zehn Jahren hat der Deutsche Bundestag beschlossen, es genau dort zu bauen. Der beste Platz in der Mitte Berlins, der Logenplatz der Deutschen Geschichte, ist gerade gut genug für ein solches Freudenmal. Es soll deutsche Nationalgeschichte im besten Sinne an der Stelle des alten Reiterdenkmals von Wilhelm I. „aufheben". Für den Dialektiker Hegel stand der Doppelsinn dieses Wortes sowohl für das Bewahren als auch das Überwinden. Und in diesem Sinne war für uns der historische Ort immer Teil des Denkmals und Programm. Die Reaktionen auf den Vorschlag waren nie euphorisch, aber auch wenig ablehnend. Wie 1998 erwartet, wurde bis zuletzt vor allem um den Ort gestritten.

 

Nun befürchten manche, ein Freiheits- und Einheitsdenkmal mitten in der deutschen Hauptstadt sei viel zu patriotisch. Genau das denke ich nicht. Dieses Denkmal soll ein Nationaldenkmal sein und es gehört nach Berlin. Natürlich war der entscheidende Tag der Friedlichen Revolution für alle Beteiligten, die Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989 in Leipzig. Aber was dort geschah, war nicht von lokaler, sondern von nationaler Bedeutung. Deshalb soll an zentraler Stelle in Berlin und nicht relativiert von den Schrecken der Teilung durch Mauer und Stacheldraht, daran erinnert werden. Patriotismus heißt Vaterlandsliebe. Was ist daran verwerflich, sein Land zu lieben?

 

Die simple Antwort, auf Grund unserer Geschichte und der Verantwortung für den industriellen Massenmord an den europäischen Juden während der Nazi-Diktatur kann niemand mehr ernsthaft behaupten, er liebe Deutschland ohne damit auch den Holocaust zu rechtfertigen, greift meines Erachtens zu kurz. Wir werden als Deutsche immer die historische Verantwortung zu tragen haben für Auschwitz und die vielen anderen unfassbaren Verbrechen. Aber die Meinung vieler, so genannter Linker in Westdeutschland, teile ich nicht: Wieso sollte die deutsche Teilung eine „gerechte Strafe" für den von Deutschland begonnenen Zweiten Weltkrieg und die deutschen Verbrechen während der Nazi-Zeit sein? Sollten deshalb wirklich die Deutschen dauerhaft in zwei getrennten Staaten leben müssen? Nein. Es konnte schon deshalb keine „gerechte Strafe" sein, weil nur ein Teil der Deutschen, die im Osten, in der SED-Diktatur mit dem irreführenden Namen „Deutsche Demokratische Republik", dafür mit Unfreiheit und Unterdrückung bezahlen mussten. Die Erinnerung an den Mauerfall und die Wahnsinnsrufe jener Nacht vom 9. zum 10. November 1989 ist auch deshalb so wichtig, weil wir alle zu schnell vergessen, wie ein Fünftel aller Deutschen über 40 Jahre lang gelebt hat.

 

Insofern ist ein Freiheits- und Einheitsdenkmal niemals rückwärtsgewandt, sondern eine tägliche Erinnerung, Freiheit und Demokratie nicht gering zu achten und immer wieder neu zu erstreiten. Die „basisdemokratischen" Losungen vom Herbst 1989: „Wir sind das Volk! – Wir sind ein Volk!" sollten die Sockelinschrift dieses Denkmals sein. Zuerst wurde die Meinungs- und Versammlungsfreiheit erkämpft, dann kamen die Forderungen nach Demokratie und Einheit. Einigkeit in Recht und Freiheit, daran lohnt es sich auch heute im Fußballstadion beim Singen der Nationalhymne und dem Schwenken der schwarz-rot-goldenen Fahne zu denken.

 

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Patriotismus stand dem Lebensgefühl in der alten Bundesrepublik entgegen. Individualisierung war angesagt. Doch heute, in einer globalisierten Welt, ist Orientierung wieder gefragt. Orientierung zu haben setzt aber voraus, dass man einen Standpunkt hat. Für mich ist das Denkmal auch ein Ausdruck dafür, dass wir Deutschen uns wieder trauen, einen Standpunkt einzunehmen und damit auch innen- und außenpolitisch eine klare Orientierung finden. Mit einem Denkmal für Freiheit und Einheit wird dieser Standpunkt markiert. Er ist gerade nicht beliebig, aber auch nicht deshalb gefährlich, weil es Zeiten in Deutschland gab, wo andere Standpunkte für eine falsche Orientierung sorgten.

 

Die friedliche Revolution vom Herbst 1989 und die staatliche Wiedervereinigung 1990 gehören zu diesen ganz großen historischen Momenten unserer jüngsten deutschen Geschichte. Gerade hierfür braucht es eine nationale Selbstdarstellung im öffentlichen Raum. Es ist beruhigend, wenn man daran mitgewirkt hat und weiter mitwirken darf.

 

 

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zur Geschichte des Denkmals
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